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Von Generation zu Generation: Eine Liebesgeschichte aus unserer Hochschule

Anibal Antonio Umanzor sitzt in seinem Wohnzimmer in Honduras und blickt etwas aufgeregt in die Kamera seines Laptops. Vor 40 Jahren hat er an unserer Hochschule studiert und weiß daher einiges von damals zu berichten.

„Die FH Münster war für mein Leben von großer Bedeutung, ich denke oft darüber nach und habe nur Gutes in Erinnerung“, lautet einer seiner ersten Sätze zu Beginn unseres Online-Interviews. Den Kontakt hat seine Tochter Claudia Umanzor vermittelt, die selbst seit vier Jahren an unserer Hochschule arbeitet und so die Familientradition fortgesetzt hat.


Anibal Antonio Umanzor beim Hochschulsport, 1984

Für Antonio Umanzor handele es sich um seine persönliche Liebesgeschichte. Inwiefern? Das erzählt er uns jetzt. „Als ich 1977 mit meiner Frau nach Deutschland gekommen bin, haben wir das erste Mal Schnee gesehen, und das war sehr emotional für uns. Wir haben dann innerhalb eines Jahres Deutsch gelernt und erst in Leipzig und danach in Dresden gewohnt. Dort habe ich angefangen, Straßenbau zu studieren. Nebenbei haben wir als freiwillige Helfer für spanische Sprachkurse eine Initiative von honduranischen Freunden unterstützt. Diese Sprachkurse fanden in Münster statt. So sind wir dann auf die FH Münster und das Bauingenieurwesen gestoßen. Mein Traum war es schon immer Bauingenieur zu werden und anschließend mein Wissen in meiner Heimat anwenden zu können.“ Im November 1980 war es dann soweit: Antonio Umanzor startete dank eines Stipendiums der Otto-Benecke-Stiftung sein Studium an unserer Hochschule.


Familie Umanzor 1985 vor dem Schloss. Antonio Umanzor (l.), seine Ehefrau Sonia Zelaya (damalige Chemiestudentin an der WWU Münster) und Claudia Umanzor (beide vorne sitzend). (Foto: Umanzor privat)

„Unser Fachbereich lag an der Corrensstraße, und damals gab es erst drei Gebäudeteile. Vorlesungen und Seminare mit nur 15 Personen, so etwas kennt man in Honduras nicht. Das war toll für mich, weil wir wie eine kleine Familie lernen konnten. Alle hatten super Kontakt zueinander, die Professorinnen und Professoren, die Kommilitoninnen und Kommilitonen. Ich kann mich noch sehr gut an die Professoren Dr. Friedrich W. Narjes (Straßenwesen), Dr. Bernhard Gallenkemper (Wasserwirtschaft) und Dr. Rüdiger Runge (Mathematik und Datenverarbeitung) erinnern. Ganz besonders hat mir Frau Spooren aus dem Sekretariat immer bei allem geholfen.“

Der Ort, an dem er die meiste Zeit in seinem Studium verbracht hat, war die Bibliothek, in der er jedes Buch für Bauingenieure verschlungen hat. „Früher war die Bibliothek kleiner als heute. Ich habe Bücher immer und immer wieder ausgeliehen und war Stammgast dort. Als ich dann mein Studium beendet hatte, haben mir die Mitarbeiter sogar Bücher geschenkt. Mein Professor aus Vermessungskunde hat mir spezielle Lineale mitgegeben, die die Hochschule nicht mehr brauchte. Diese benutzt man, um Entwürfe im Straßenbau anzufertigen. Das war großartig. Alle wussten ja, dass ich nach dem Studium zurück in die Heimat wollte, um dort als Ingenieur zu arbeiten, etwas gegen den schlechten Zustand von Straßen und Bauten und gegen den Fachkräftemangel zu tun.“ Die Bücher sind Erinnerungsstücke, die Antonio Umanzor bis heute aufbewahrt hat. Er hält sie in die Kamera und es ist deutlich zu spüren, welchen Wert die Bildung, die er sich hart erarbeitet hat, für ihn heute immer noch einnimmt.


Antonio Umanzor zu Besuch im FHZ, wo er vor 40 Jahren studiert hat. (Foto: Claudia Umanzor)

„Ich bin sehr froh und dankbar für mein Studium in Deutschland. Das ist eine hochwertige Ausbildung, die mit Prestige und einem guten Ruf verbunden ist. Das war ein Meilenstein in meinem Leben, der die Grundlage gebildet hat, um meine Familie zu ernähren, uns eine Zukunft aufzubauen und meine Heimat zu unterstützen.“ 1987 hielt der Honduraner dann sein Diplom in Händen. Jemand, der so lange in Münster lebt, den packt irgendwann auch die Liebe zum Fahrrad. So lautete das Thema seiner Diplomarbeit: „Entwicklung eines Radwegekonzeptes für eine Stadt in Mittelamerika“. Seine Ideen und Vorschläge setzte Umanzor zum Teil in Honduras um. Er entwickelte intelligente Ampelführungen und führte neue Richtlinien für Verkehr, Kreuzungen, Beschilderung und für öffentliche Verkehrsmittel ein, die es bis dato noch nicht gab. Als Experte für Bauingenieurwesen berät er jetzt privat verschiedene Bauprojekte in seinem Land.


Antonio Umanzor besucht stolz seinen alten Studienstandort, das FHZ, und hält sein Diplom in die Kamera. (Foto: Claudia Umanzor)

„Als Claudia mir dann erzählt hat, dass sie an der FH Münster anfängt zu arbeiten, da konnte ich es kaum glauben. Meine älteste Tochter wird wieder zur Münsteranerin und arbeitet an meiner Hochschule. Das ist eine große Ehre für mich.“ Familie Umanzor hat in den 80er Jahren gegenüber der Hochschule am Horstmarer Landweg 84 gewohnt. Claudia Umanzor blickt nun aus ihrem Bürofenster beim Science-to-Business Marketing Research Centre auf ihr Elternhaus. „Es ist für mich sehr schön, weil ich seit ich Kleinkind bin die Hochschule kenne und weiß, wie viel sie unserer Familie bedeutet. Dass ich jetzt aus meinem Fenster auf die Wohnung schaue, in der ich bis zu meinem achten Lebensjahr gewohnt habe und in der mein Bruder Eduardo geboren ist, das ist schon ein irrer Zufall“, so Claudia Umanzor, die in ihrer Lehre viele Kooperationsprojekte mit Honduras integriert.



Familie Umanzor in ihrer Münsteraner Wohnung am Horstmarer Landweg. (Foto: Umanzor privat)

 


Claudia Umanzor in ihrem Büro am Johann-Krane-Weg. (Foto: FH Münster/Rena Ronge)

Letztes Jahr war Antonio Umanzor das erste Mal seit 32 Jahren gemeinsam mit seiner Frau zu Besuch an unserer Hochschule. „Ich war total gerührt, weil ein bisschen Hochschul-Heimweh habe ich nämlich schon manchmal“. Aber so ist das in Liebesgeschichten. Etwas Sehnsucht gehört immer dazu.

Von Rena Ronge



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