FH-Kanzler Brebaum im Interview: Warum feste Planung in der Corona-Krise schwerfällt

Die Corona-Pandemie beschäftigt uns auch weiterhin – mit entsprechenden Auswirkungen auf den Betrieb unserer Hochschule. Kanzler Guido Brebaum erklärt, warum es schwierig ist, Planungssicherheit zu gewährleisten und weshalb verschiedene Öffnungsszenarien für unterschiedliche Fachbereiche bestehen.

Herr Brebaum, warum ist es in der Corona-Krise schwer, Planungssicherheit für einen Regelbetrieb der FH Münster zu gewährleisten?

Guido Brebaum: Wir alle sehnen uns nach Planungssicherheit für einen möglichst längeren Zeitraum, im privaten wie auch im beruflichen Bereich sowie im Studium. Nun ist es so, dass es in dieser Pandemie verschiedene Szenarien gibt: Die Lage könnte sich entspannen, dann könnte man mehr in Präsenz machen und die Hochschule wieder öffnen. Die Lage könnte sich aber auch verschärfen mit dem Worst Case, dass alles nach Verordnungslage nur noch digital durchgeführt werden kann. Welches Szenario eintritt, ist unsicher. Wenn man unter dieser Unsicherheit von heute bis zum Ende des Jahres eine Festlegung treffen wollte, die garantiert nicht mehr geändert werden müsste, müsste man die Hochschule über die ganze Zeit schließen. Das würde aber sicherlich nur auf geringe Zustimmung stoßen.

 

Warum gibt es keine einheitliche Festlegung und Regelung für das kommende Sommersemester?

Es gibt unterschiedliche Interessen und Notwendigkeiten: Viele Personen sind besorgt und wünschen sich keinerlei Präsenztermine derzeit. Andere drängen auf möglichst viel „Normalität“ und wollen in die Hochschule zurück. Mit der installierten Hybrid-Technik in vielen Räumen haben wir die Voraussetzungen geschaffen, dass man in Vorlesungen theoretisch beiden Gruppen gerecht werden könnte.

Tatsächlich ist es kaum möglich, zum Beispiel ein Chemie-Laborpraktikum auf den digitalen Raum zu verlegen. Dies bedeutet, dass es in unterschiedlichen Fachbereichen unterschiedlich aussieht: Manche werden im kompletten Semester online bleiben, andere hoffen berechtigterweise auf die Öffnung der Hochschule, da sie ihre Veranstaltungen schon seit zwei Semestern verschieben. Die Fachbereiche haben hierbei zu einem gewissen Grad Gestaltungsfreiheit, sind aber auch gehalten, die Studierenden über die Umsetzung der Regeln umfassend zu informieren.

 

Neben den Unterschieden in den Fachbereichen gibt es auch im zeitlichen Ablauf des Semesters womöglich Veränderungen.

Das ist richtig. Viele Studierende sind es leid, in den eigenen vier Wänden „gefangen“ zu sein und wollen wieder auf den Campus. Daher haben wir zunächst nur bis Ende April vorgegeben, alle Veranstaltungen mit wenigen Ausnahmen online anzubieten. In den nächsten Wochen wird zu entscheiden sein, ob wir noch eine Chance sehen auf mehr Präsenz oder auch das Sommersemester nahezu vollständig zum Digitalsemester wird. Letztlich kommt es natürlich auch darauf an, was wir nach Verordnungslage des Landes überhaupt dürfen.

 

Die Pandemie ist vor mehr als einem Jahr in Deutschland angekommen. Was hat die FH Münster aus dieser Zeit gelernt?

Die FH Münster besteht ja aus ganz vielen Hochschulangehörigen. Und alle haben gelernt – begleitet von unterschiedlichen Erfahrungen – mit einer Pandemie zu leben. Studierende mussten sich organisieren und motivieren, für sich alleine das Studium vor dem PC zu meistern.

Aber auch Lehrende und Mitarbeiter*innen waren sehr gefordert. Didaktische Konzepte für Online-Formate wurden ebenso in einem unglaublichen Tempo entwickelt wie neue technische Tools „aus dem Hut gezaubert“ wurden. Prüfungen fanden ganz überwiegend digital statt. Damit war erheblich mehr Organisationsaufwand verbunden als in üblichen Prüfungsphasen. 

Und wir haben gelernt, neue Formate gewinnbringend zu nutzen. Gerade Hybrid-Formate haben aus meiner Sicht außerordentliches Potenzial. Eine Verbindung von persönlicher und digitaler Vernetzung hat in vielen Veranstaltungen wunderbar funktioniert. Man erreicht viel mehr Personen, egal wo sie sich auf der Erdkugel befinden. Das sollten wir unbedingt für die Zeit nach Beendigung der Pandemie bewahren.

Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies. Weitere Informationen und die Möglichkeit zum Widerruf finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Seite drucken