Wissenschaftler zur EEG-Reform: "Ergebnis war am Ende besser als erwartet"

Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) regelt die vorrangige Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen und eine feste Vergütung für deren Erzeugerinnen und Erzeuger. Zum 1. Januar 2021 sind einige Änderungen in Kraft getreten. Welche das sind und wie Privatpersonen davon profitieren, erklärt unser Photovoltaikexperte Prof. Dr. Konrad Mertens im Interview.

Prof. Mertens, was ist neu im Erneuerbare-Energien-Gesetz?

Es geht dort insbesondere um die Rahmenbedingungen beim Bau und Betrieb von Photovoltaikanlagen. Bislang gab es die Regelung, dass man für eine Anlage mit mehr als zehn Kilowatt auf seinem Dach eine Umlage auf den selbst verbrauchten Strom zahlen musste. Das ist so, als wenn Sie für Ihre Tomaten auf dem Balkon, die Sie mit Wasser aus der Regentonne gießen, eine Abgabe zahlen müssten. Die Regelung führte bislang dazu, dass viele ihre Anlagen auf zehn Kilowatt begrenzten, auch wenn die Dächer mehr Platz boten. Diese Grenze wurde nun auf 30 Kilowatt erhöht, sodass die „Sonnensteuer“ kaum noch anfällt. Übrigens gilt die Regel auch rückwirkend, das heißt, dass auch schon bestehende Anlagen von dieser Abgabe befreit werden.

 

Was spricht dafür, die komplette Dachfläche mit Solarmodulen zu bebauen oder bestehende, kleinere Anlagen zu erweitern?

Das wäre gleich aus zwei Gründen sinnvoll. Zum einen werden wir in den nächsten Jahren immer mehr Elektroautos auf Deutschlands Straßen sehen. Mit einer großen Solaranlage auf dem eigenen Hausdach können diese sehr günstig und sehr umweltfreundlich betrieben werden. Die Kosten für eine Kilowattstunde des Solarstroms vom Dach liegen heute bei unter zehn Cent, also deutlich günstiger als der Strom vom Energieversorger. Außerdem kann man mit einer großen Solaranlage auf dem eigenen Dach einen Beitrag leisten, um die Auswirkungen des Treibhauseffekts auf das Klima zu verringern. Dächer sind ja Flächen, die ohnehin schon versiegelt sind und großes Potenzial bieten. Bislang werden aber nur etwa zehn Prozent der Einfamilienhäuser für Solarstrom genutzt.

 

Gibt es abgesehen von der neuen Leistungsobergrenze noch weitere Änderungen im EEG?

Ja, ein weiterer Punkt ist die Verbesserung der Bedingungen für Mieterstrom. Das ist Strom, der in unmittelbarer räumlicher Nähe produziert und nicht über die öffentlichen Netze geleitet wird. Mehrere Anlagen auf einem Grundstück können nun zusammengefasst werden, was die Abwicklung und Abrechnung deutlich vereinfacht. Außerdem wurde der Mieterstromzuschlag erhöht. Damit wird das Thema hoffentlich aus dem Dornröschenschlaf erweckt.

 

In den Zeitungen las man Ende des Jahres von Problemen mit Photovoltaik-Altanlagen. Was hat es damit auf sich?

Mit dem Begriff Altanlagen meint man die Anlagen, die nun nach 20 Jahren Betriebszeit als erste aus der EEG-Förderung fallen. Hier gab es zunächst völlige Unsicherheit, ob diese Anlagen ab 2021 überhaupt noch am Netz bleiben können. Im schlimmsten Fall hätten sowohl Photovoltaik- als auch Windkraftanlagen in großem Umfang abgeschaltet werden müssen. Und das, obwohl sie noch gut funktionieren! Schließlich konnte man sich nach langem Ringen auf einen Kompromiss einigen. Die Anlagen dürfen weiterbetrieben werden. Die Betreiberinnen und Betreiber bekommen zwar keine Vergütung mehr, dürfen den Strom aber selbst verbrauchen oder auch am Strommarkt teilnehmen. Ähnlich lang war die Diskussion über einen verpflichtenden Einbau sogenannter Smart Meter, also intelligenter Messsysteme, für die Altanlagen. Der Kompromiss hier ist, dass für Anlagen unterhalb von sieben Kilowatt keine Smart-Meter-Pflicht besteht.

 

Das hört sich insgesamt sehr positiv an. Sind Sie zufrieden mit den Gesetzesänderungen?

Das Ergebnis war am Ende tatsächlich besser als erwartet. Gleichzeitig sind aber noch viele Dinge beherzter anzugehen, um beim Klimaschutz voranzukommen. In den nächsten Jahren müssen wir insbesondere den Verkehr und die Wärmebereitstellung sauberer machen. Das wird vor allem durch klimaneutrale elektrische Energie geschehen müssen. Daher muss die Bundesregierung die Ausbauziele der Photovoltaik von heute rund vier Gigawatt auf mindestens zehn Gigawatt pro Jahr erhöhen. Nach Einschätzung der Internationalen Energieagentur werden die Erneuerbaren Energien in zehn Jahren rund 80 Prozent des weltweiten Strombedarfs abdecken. Die Photovoltaik wird dabei das größte Wachstum aufweisen, da sie heute in vielen Ländern bereits die kostengünstigste neue Stromquelle ist.

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